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Das Mehrchen von der Mehrzahl

Eine von Tyger aufgstellte These über den Gebrauch von sprachlichen Steigerungen in der angewandten Magie.

Theorie

Magie hat mit Sprache zu tun, denn wie so mancher Schöpfungstext weiß oder zumindest behauptet, war am Anfang das Wort oder so etwas Ähnliches. Da die Welt aber doch recht komplex ist, müssen es mehrere Worte gewesen sein, wahrscheinlich sogar viele, eine Mehrzahl also. Grund genug, einen näheren Blick auf das Phänomen der Mehrzahl zumindest in der deutschen Sprache zu werfen. Schnell stoßen wir da auf die allseits bekannten Stolperfallen, die in Rechtschreibtests allgemein beliebt bzw. unbeliebt sind: Es gibt den Kürbis und die Kürbisse, den Kaktus und die Kakteen, den Globus und die Globen, den Atlas und die Atlanten sowie das Perpetuum Mobile und die Perpetua Mobilia, wobei Letzteres zwar eigentlich lateinisch ist, die deutsche Sprache aber keinen besseren Begriff für diese wichtige Maschine kennt, die es zwar nicht gibt, aber das auch in der Mehrzahl. Soweit ist das noch recht überschaubar, aber es gibt auch Worte, die überhaupt keine Mehrzahl haben, das Wort Mehrzahl zum Beispiel. Die orthographisch und grammatikalisch korrekte Mehrzahl von Mehrzahl wäre vermutlich Mehrzahlen, aber die bildet niemand. Auch das Wort Magie hat keine Mehrzahl, obwohl angesichts der vielen magischen Richtungen und Disziplinen eigentlich ein dringender Bedarf dafür besteht, vielleicht sogar mehrere Bedarfe, die es aber auch nicht gibt. Ganz im Gegensatz zum Bedürfnis, das sich zu Bedürfnissen vermehren darf. Die Mehrzahl von Geld gibt es zwar, nämlich die Gelder, aber die ergibt außer für Buchhalter, Banker und Vertreter ähnlicher esoterischer Richtungen keinen Sinn, da mit Geld ohnehin schon jede beliebige Menge davon gemeint sein kann. Andererseits gibt es Begriffe, die man eigentlich kaum in einer Mehrzahl erwarten würde, denen die deutsche Sprache aber dennoch ganz unbefangen höchst ehrfurchtgebietende Mehrzahlen zuordnet: Es gibt Welten, Universen und sogar Multiversen. Das Vieh dagegen gibt es nur einfach; mit dem Wort kann sowohl ein größeres Nutztier als auch die Gesamtheit aller größeren Nutztiere in sämtlichen Multiversen gemeint sein, wobei sich nicht einmal der Artikel ändert. Eine Ausnahme bilden nur mehrere Exemplare, über die man sich gerade ärgert; diese werden dann zu Viechern. Aber um auf die Mehrzahlen als solche zurückzukommen, will ich hier eine naheliegende Frage stellen: Wieso haben Worte eigentlich nicht mehrere Mehrzahlen, um diese steigern zu können? Stellen wir uns einen Zirkus vor, der einen rosa Elefanten auf einem Einrad im Programm hat. Dieser Zirkus würde natürlich stolz die Mehrzahl von rosa Elefanten auf seinen Plakaten ankündigen, sobald es zwei davon wären. Aber stellen wir uns vor, dieser Zirkus hätte ganze hundert rosa Elefanten auf Einrädern zu bieten! Dann könnte er doch unmöglich mit der einfachen Mehrzahl zufrieden sein, denn einfach nur Elefanten (was ja auch zwei sein könnten) wäre in diesem Fall ein Understatement und Zirkusse machen keine Understatements. Es müsste deshalb eine Steigerung der Mehrzahlen geben, also z.B. Elefanten, Elefantanten, Elefannantanten. So könnte selbst ein Zirkus mit tausend rosa Elefanten auf Einrädern ganz ohne jede falsche Bescheidenheit stolz seine Elefannantannantennen ankündigen. Die deutsche Sprache birgt aber noch weitere Probleme mit der Mehrzahl bzw. den Mehrzahlen und Mehrzahlennen, denn es gibt auch Worte, die das Sprachempfinden jedes unbefangenen Aliens klar als eine Mehrzahl empfindet, ohne dass eine Einzahl dafür existiert. So gibt es die Bühne, aber keinen Buhn, es gibt die Mühle, aber keinen Muhl, und es gibt die Mühe, aber Muh gilt dennoch nicht offiziell als Wort.

Praxis

Doch kommen wir nun direkt zur magischen Praxis. Nehmen wir an, der Magier vollführt ein Ritual, um zu Geld zu kommen, und eine Gottheit, sagen wir beispielsweise Diskordia, erfüllt ihm seinen Willenssatz und lässt ihn am nächsten Tag auf der Straße einen Cent finden. Vermutlich wird das den Magier nur unwesentlich zufriedenstellen. Was passiert nun, wenn er sich Gelder wünscht? Da dieser Begriff so etwas wie mehrere Konten nahelegt, wird er auf verschiedenen Straßen mehrere Centstücke finden und noch immer nicht viel froher sein. Was passiert nun aber, wenn er sich Geldeldeldererer (als Mantra mit einem langen rrrrrrrrrr ausklingen lassen) wünscht? Ganz einfach: Die Göttin wird völlig verwirrt sein und ihn mit solchen Mengen von Centstücken überschütten, dass der Magier sie mit dem LKW zur Bank fahren muss und selbst nach dem Bezahlen des Mietlasters noch immer ein paar Hunderter übrigbehält. Für effektive magische Willenssätze muss man also Mehrzahlen verwenden, vor allem besonders mehrzahlige Mehrzahlen.

Um das nun noch weiter zu steigern, könnte man auch die Göttin selbst in der Mehrzahl anreden; es wäre sogar völlig korrekt, gegenüber einer Gottheit den Pluralis majestatis zu verwenden, auch wenn wir es normalerweise vorziehen, vertraulicher mit unseren Göttern zu reden. Nachdem sich die Göttin, sagen wir, Eris, dann also ein paarmal verwundert umgeschaut hat und sich fragt, wer außer ihr noch alles gemeint ist, wird sie darauf kommen, dass der Magier sie selbst für mehrere hält, und wieder höchst verwirrt sein. Als Göttin der Verwirrung wird sie darüber erfreut sein, und in ihrer gleichzeitigen Freude und Verwirrung alle Wünsche des Magiers in Erfüllung gehen lassen. Es sei denn, sie ist allzu verwirrt, dann verwandelt sie ihn vielleicht in einen rosa Elefanten, der Einrad fahren kann oder auch in mehrere, oder sie macht sich ein Marmeladenbrötchen.

Damit wünschen wir euch viele magische Erfolge!

Siehe auch

Quellen

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