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Die Paradoxe der discordischen Magie

Die Erkenntniss des Phools

An einem gewissen Punkt seines Studiums wird der Phool zwangsläufig mit den Paradoxen der discordischen Magie konfrontiert werden. Dies ist nicht weiter schlimm und tut auch nicht weh, sondern wird den Phool vielleicht bestenfalls ein wenig verwirren, ehe er nicht mehr weiter darüber nachdenkt und mit dem fortfährt, was auch immer er gerade gemacht hat. Trotzdem besteht möglicherweise eine gewisse Notwendigkeit, auf eben jene Paradoxe einzugehen. Wichtig ist vieleicht nur, das sich der Phool bewusst ist, dass er innerhalb eines Systems agiert, das in sich selbst möglicherweise schon paradox ist und, was vieleicht noch viel wichtiger ist, dass sich der Phool nicht darüber den Kopf zerbricht, da er bereits weiß, dass es Dinge gibt, die einfach nicht erklärt werden wollen.

Die Paradoxe

Seit der Entwicklung der discordischen Magie haben sich bis jetzt drei fundamentale Paradoxe manifestiert, auf die ich im nun folgenden Text näher eingehen werde.

Paradox 1 - Das Stardancer Paradox.

Das Stardancer Paradox wurde 3183 YolD von Cpt. Bucky „Saia“ Stardancer da erste Mal beschrieben. Es entstand aus Überlegungen bezüglich des Erismorphings, scheint jedoch auch zumindest innerhalb der discordischen Magie allgemeingültig und gilt heute als eins der wichtigsten Paradoxe. Es besagt im Grunde, dass je mehr sich etwas vom Chaos differenziert, indem neue Eigenschaften hinzugefügt werden desto näher rückt dieses Etwas wieder zum Chaos. Das Stardancer Paradox findet daher überwiegend im Erismorphing Anwendung, obwohl es im Grunde auch bei jeder anderen discordo-magischen Handlung angewandt werden kann. Zumindest fürs Morphing gilt: Wenn man dem Morph nur einen Aspekt verleiht, dann steht er theoretisch zwar sehr nahe an der chaotischen Gesammtmasse, aber gleichzeitig ist er auch am weitesten entfernt von ihr. Je mehr Aspekte und Attribute man hinzufügt desto weiter entfernt sich das Konstrukt von der Masse, rückt aber gleichzeitig wieder näher, bis endlich aus nahezu unendlichen Aspekten und Attributen wieder die Masse wird.

Paradox 2 - The Rule is no Rules

The Rule is no Rules beschreibt im wesentlichen das Paradox, dass sich die discordische Magie zwar über ein Bündel an „Regeln“ oder Annahmen definiert, diese aber gleichzeitig darauf hinweisen, dass man jegliche Regel zugunsten eines freien Geistes getrost ignorieren kann. Der Phool muss hier für sich selbst entscheiden, was er für wichtig und richtig hält. Dieses Paradox ist sehr eng mit dem fünften Gebot des Pentabarf verwandt: „Einem Diskordier ist es verboten, zu glauben, was er liest.“, und verhält sich daher innerhalb der discordischen Magie ähnlich. Sollte man beschließen Phool zu werden, so sollte man sich vorher vergewissern, dass man fähig ist, innerhalb der Empfehlungen zur discordischen Magie zu differenzieren, bzw. dass man überhaupt in der Lage ist, die Welt in einem Maß zu hinterfragen, dass man sich getrost gar nichts mehr fragen muss, da plötzlich alles möglich wird.

Paradox 3 - Weniger ist mehr Dynap

Hier treffen wir auf eine überaus merkwürdige Eigenart der Energien des discordischen Magiesystems, nämlich dass sie dazu tendieren effizienter zu werden, je weniger Grundpotenzial vorhanden ist. Ein Phool in einem eristischen Raum kann praktisch keine eristisch orientierte Magie wirken. Ein Phool, der in einem aneristischen Raum ein Übermaß an eristischer Energie erzeugt, wird auch nicht in der Lage sein, Magie zu wirken oder es wird ihm zumindest sehr schwer fallen. Es scheint eher so, dass die Magie des Phools dann am stärksten ist, wenn er sich selbst in Opposition zur Energie des Raums befindet. Dann jedoch reicht ein winziger Impuls aus, um große Mengen an Energie zu erzeugen. Richtig seltsam ist dann noch die Eigenschaft der Energie, dass das Wirken der Magie ab einem gewissen Grad der Übersättigung ebenfalls erschwert wird. Nun vieleicht könnte man auch einfach sagen, weniger ist mehr Dynap, aber zu wenig ist auch irgendwie Murks.

Und was bringt das?

In erster Linie nutzt uns das Wissen um die Paradoxe deswegen etwas, da man nun weiß, was man getrost ignorieren kann. Doch wenn man das Ganze aus einem magietheoretischen Hintergrund betrachtet, so kann man ebenfalls annehmen, dass das gezielte Einsetzen eines oder mehrerer Paradoxe das Potenzial in sich birgt, die Magie, die der Phool wirkt, zu verstärken. So wie Phools vieleicht anfänglich von der Existenz der Paradoxe verwirrt werden, diese Erkenntniss jedoch schnell an Relevanz für sie verliert, so besteht die Möglichkeit, dass sich ein geringer Bruchteil der eristischen Energie, die sich in jedem dieser Paradoxe wiederspiegelt, auch in der Magie wiederfindet, die der Phool letztendlich wirkt. Ein Phool, der um diese Paradoxe weiß, erhält somit eine Möglichkeit, seine Magie in einer gewissen Weise zu verstärken, auch wenn dies auf den ersten Blick vieleicht nicht offensichtlich ist.

Die Paradoxe - Kondensat I

Gnosis und Zensor

Ich finde grade den Punkt Zensor und Gnosis intressant. Erstens, weil der Phool im Prinzip sowas wie einen Zensor durch seine Arbeit eigentlich gar nicht wahrnimmt, immerhin besteht er ja darauf, dass alles, was man sich vorstellen kann und noch was drüber hinaus, auch umsetzbar wäre. Der Zensor der Chaosmagier ist daher im Grunde für die relevant, die danach streben, wieder in ihre alten Muster zurückzufallen. Der Phool integriert sozusagen den Zensor in seine Arbeit, dehnt und überdehnt diesen, bis auch ein Einhorn für ihn so real ist wie der Bus zur Arbeit, was in sich schon einem Paradox gleichkommt. Denn durch das Annehmen des Zensors und das gezielte Spielen mit diesem, kann er diese Schranke mit Leichtigkeit überwinden und diesen vieleicht nicht ausschalten, aber dennoch gewinnbringend für sich einsetzen. Das andere Thema, die Gnosis, verhält sich fast ähnlich, da Gnosis für den Phool keine anstrengende Entleerung seines Geistes bedeutet, sondern vielmehr ein sich gehen lassen, sich treiben lassen in den Gedanken fernab der objektiven Realität. Ich habe dieses Phänomen in letzter Zeit häufiger beobachten können, man kann das vieleicht am besten mit weißem Rauschen, oder in der Sprache des Phools, Schmuschem Rauschen bezeichnen. Ein Zustand der Eintritt, wenn soviele Gedanken und Eindrücke einströmen, dass sie beginnen sich zu überlagern und einzelne Gedanken oder Eindrücke nurmehr als Wirrwar wahrnehmbar sind. Dieses Wirrwar ist im Hintergrund aktiv, verschwimmt jedoch zusehends, je mehr der Phool LiOS geht und bildet am Höhepunkt eine Art Hintergrundrauschen, das für ihn durchaus stimulierend ist. Vergleichbar wäre das mit dem Besuch einer großen Halle voller Menschen, die alle durcheinander reden. Jenes Hintergrundrauschen, bewusst aufgenommen und genossen wirkt dann wie Trigger zum Erreichen eines Zustandes, der bestenfalls als losgelöst bezeichnet werden könnte. Die Eindrücke der objektiven Realität sind zwar vorhanden, bilden jedoch als Kulisse die Bühne für das Stück, das der Phool spielt. Dazu gehört die Fähigkeit, sich auf eben jene Eindrücke einzulassen, und zwar in einem Maß, das eine Unterdrückung durch Techniken der klassischen Meditation kaum zulässt. Am ehesten wäre dies noch vergleichbar mit Techniken der Bewegungs- oder Tanz-Gnosis, verstärkt durch das rythmische Wummern monotoner Bässe. Solche Hilfsmittel braucht der Phool jedoch nicht, da alleine schon die vorhandene Realität für eben diesen Effekt genutzt werden kann. Dies sind ähnliche Effekte die auftreten, wenn man das Konzert seiner Lieblingsband besucht und sich der Musik und der Bewegung hemmungslos hingibt. Das Paradox wäre hier vieleicht zu suchen, indem man behauptet, der Phool befindet sich demnach permanent in einem Stadium der latenten Gnosis. Dies sind freilich nur meine Erfahrungen damit.

Die Paradoxe - Kondensat II

Eristik - Aneristik

Der Phool weiß um die Qualitäten die ihm eristische/aneristische Umgebungen zu bieten haben. Kann er doch in diesen mittels Polung seiner selbst Dynap erzeugen, um die Energie zu erhalten, die ein Mumpitz braucht, um gewirkt zu werden. Intressant ist aber ein Aspekt, der ihm beim Studium eines für ihn wohl unschätzbar wertvollen Buches auffallen dürfte. Nämlich der Principia Discordia höchstselbst. So steht im DOGMA III - GESCHICHTE #2, „KOSMOGONIE“ die Geschichte von Eris und Aneris, wobei Eris das Prinzip des Existenten verkörpert, Aneris hingegen das Prinzip des Nonexistenten. Sollte er sich entschließen darüber zu Meditortieren, so wird er vieleicht feststellen, dass er im Augenblick des Wirkens seiner Magie den Schritt vom aneristischen Prinzip zum eristischen vollzieht. Nirgendwo wird dies für den Phool so deutlich wie beim Erismorphing, bei dem er ein Konzept in den Körper einer Wesenheit transformiert und dieses quasi durch den Akt der Schöpfung vom Aneristischen ins Eristische transformiert.

Hier sollte der Phool das Paradox des kontrollierten Kontrollverlustes anwenden, welches besagt, dass eine Wesenheit für ihn umso lehrreicher und bereichernder wird je, mehr man diese loslässt und die Kontrolle über das Wesen aufgibt, das man erschaffen hat.

Ich würde sogar behaupten, dass das der einzige Weg ist, eine irgendwie geartete Wesenheit zu erschaffen, die eine hinreichende Komplexität besitzt, um so etwas wie einen eigenen Charakter zu entwickeln. Und ja, das bedeutet, dass sich eine Wesenheit auch gegen einen wenden kann, und all das betrifft nicht nur Morphe, sondern generell alles, was man irgendwie erschafft - Gottheiten, die Protagonisten in Geschichten wie Romanen, Filmen und Comics, und vermutlich auch den eigenen, biologischen Nachwuchs und sämtliche Personen um einen selbst herum (denn wir erschaffen und Formen alles, was uns umgibt, ja permanent)…

So mag ein definiertes, kontrolliertes Wesen zwar zweckdienlich sein für allerhand niedere Arbeiten, wahrlich tiefe Einsichten in die Mysterien der discordischen Magie wird man jedoch nur erhalten, wenn man seiner Wesenheit ein gewisses Maß an Autarkie garantiert, um in der Folge dieses Wesen bei seinem Handeln zu beobachten und daraus weitere Prinzipien und Mysterien abzuleiten. Es ist anzunehmen, dass bei diesem Vorgang ebenfalls Dynap erzeugt wird, denn die beiden Prinzipien reiben auch hier aneinander. Vermutlich liegt hier die Quelle der Energie, die es dem Wesen letztendlich ermöglicht, in der subjektiven Realität des Phools zu wirken.

Ähnliches gilt für den Phool selber, der sich, aufgrund seiner Natur, dem Prinzip des Eristischen unterworfen sieht, da er subjektiv real zu sein scheint. Ein Trick, den der Phool anwenden kann, um mit diesem Prinzip zu spielen, wäre zweifeln. Auch hier gibt es ein interessantes Zitat in der Principia, das ich aber gerade nicht finde. Jedenfalls besteht die besagte Technik des Zweifels darin, dass der Phool beginnt, die eristische, also existente Welt, um ihn herum zu bezweifeln. Je mehr er an der Realität der ihn umgebenen Welt zweifelt, desto mehr tendiert diese Welt subjektiv dazu, sich ins aneristische Spektrum zu verschieben, sie wird also nichtexistent. Der Phool beginnt zu erkennen, dass alles, was um ihn herum ist, eine Interpretation seiner selbst ist, und er wird weiter an der Existienz der Realität zweifeln, je länger er dies aufrechterhält, bis hin zu jenem Punkt, an dem der Phool beginnt, sich selbst zu bezweifeln. Er wird seine eigene Existienz hinterfragen, sich selbst verleugnen und letztendlich zu der Erkenntniss gelangen, dass er ebenso nicht existent ist wie die Umwelt die ihn umgibt. Und genau in diesem Moment durchbricht der Phool die Grenzen der Welten und verkehrt seine komplette subjektive Realität vom eristisch existenten ins aneristisch nicht existente, wodurch sich die Harmonie mit dem Chaos selbst einstellt.

Und spätestens an diesem Punkt ist es dann eh egal, ob die subjektive Realität des Phools nun eristisch oder aneristisch ist, denn sie unterliegt nun nicht mehr der dualistischen Einteilung. Dieser besagte Punkt ist von Natur aus so verschwommen, dass Realität und Phantasie, Existenz und Nichtexistenz dermaßen nah beieinander liegen, dass eine Unterscheidung dieser Zustände faktisch nicht mehr möglich ist (da einfach nicht vorhanden). Die subjektive Realität wird buchstäblich Phantasie und die gesamte Phantasie des Phools wandelt sich im gleichen Moment von nichtexistent zu existent, wodurch jener seltsame Zustand der Harmonie hervorgerufen wird.

Möglicherweise wird der nun Phool beginnen, LiOS zu gehen, wenn er dies nicht schon getan hat, oder er wird wahnsinnig lachen, wenn er nicht einfach nur schweigt und sich der fundamentalen Tiefe dieser Erkenntniss bewusst wird.

Dies ist das Paradox des unzweifelhaften Zweifelns, oder schlicht das Zensor Paradox. Denn der Phool macht nichts anderes, als das was Chaosmagier stets zu vermeiden versuchen: Er steigert seinen Zensor, ignoriert die Möglichkeit des Unmöglichen hin zum Ignorieren der Möglichkeit des Möglichen, bis letztendlich selbst die Existenz an sich ignoriert wird. Er zensiert wortwörtlich alles bis hinunter zu seinem eigenen Ich, leugnet die Existenz der Realiät selbst und je mehr er dies tut, je stärker er seinen Zensor gegenüber sich selbst und seiner subjektiven Realiät aufbaut, desto eher wird er in Harmonie mit dem Chaos gelangen und kann dann, indem er LiOS geht neue Impulse für eine Arbeit empfangen oder einfach nur Abschalten und den Flow genießen.

Die passende Karte aus dem Discordischen Tarot dazu wäre sicherlich Verwirrung Schrödingers Katze in der Karte (vorne auf dem U-Boot) versinnbildlicht in diesem Kontext das Paradox des gleichzeitigen Vorhandenseins von Existenz und Nichtexistenz. Die Kiste kann in diesem Kontext auch als der Phool selbst gedeutet werden bzw. seiner subjektiven Realität.

Ein interessantes Paradox ist sicherlich auch das Phänomen der Kontinuität der Veränderung in einer stillstehenden Umgebung.

Soll heißen: in einer Umgebung, in der sich nichts verändert, ist ein Punkt der stetigen Veränderung die einzige Konstante, obwohl sich die Beschaffenheit des Punktes selber ebenfals stetig verändert.

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