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- Aktion 23 impformiert -

Diskordier sind Puppen und perverse Zwerge

Apokalyptisches Bewusstsein als moralischer Imperativ im 21. Jahrhundert

Diskordier sind Puppen und perverse Zwerge. In genau dem historischen Augenblick, in dem sich die Alternativlosigkeit des globalen Kapitalismus erweist, erweist er selbst sich als keine gangbare Alternative. Die einzige Option ist, auf den unvermeidbaren vollständigen Untergang zu warten. Anders als im Falle der postmodernen „Gelassenheit“, bei der man weitermacht wie bisher, aber sich innerlich vom Geschehen distanziert, geht es heute darum, sich innerlich vom Geschehen zu distanzieren, ohne weiterzumachen wie bisher. Wenn Sie wüssten, dass in wenigen Jahren Ihre Welt und alles um Sie herum brennen wird, würden Sie dann wirklich die wenigen Jahre, die Ihnen noch bleibt, weiter Ihren beschissenen Job machen wollen, dessen Sinn Sie noch nie verstanden haben? Oder würden Sie nicht lieber Ihre Zeit genießen und vor dem Fernseher, bei Videospielen oder mit einem guten Buch verbringen? Würden Sie nicht lieber den ganzen Tag gut essen, Süßigkeiten naschen, rauchen, saufen und Drogen konsumieren, um so viel aus der wenigen noch verbleibenden Zeit zu machen?

Dies ist keine Werbung für Lebensmittel oder Pharmazeutika. Das ideologische Bewusstsein der Postmoderne hat uns mehr Schuldgefühle eingeredet als es die Religionen, Kirchen und Würdenträger je gekonnt hätten. Ja, Ihnen wird erzählt, dass Sie konsumieren dürfen, dass Sie genießen dürfen, ja sogar sollen, und gleichzeitig wird Ihnen erzählt, wie ungesund alles sei und wie sehr alles Ihre zukünftige Gesundheit ruinieren wird. Darum verkauft man Ihnen Produkte ohne Substanz: Cola ohne Zucker, fettreduzierte Wurst, Filme ohne Handlung, Videospiele ohne Spielspaß, Sex ohne Intimität, Internet ohne Pornographie und Spam-Mails, Kriege ohne Opfer, Sprache ohne Sinn. Deswegen schreibt man auf Ihre Zigarettenschachteln in geradezu obszön-sadistischer distanzierter und maximal merkbefreiter Bürokratensprache, dass Sie morgen qualvoll sterben werden. Doch was, wenn morgen alles brennt? Wenn morgen Afrika und Asien für die Müllberge, die wir in Europa produzieren, nicht mehr groß genug sind, und sie sich vor unserer eigenen Haustür stapeln?

„Ungesund“ gibt es nicht. „Schädlich“ gibt es nicht. Entweder etwas ist verboten oder nicht. „Es ist“ nicht „ganz Ihre Entscheidung“. Es wurde bereits für Sie entschieden, und das Wort erteilt man Ihnen nur symbolisch unter der Bedingung, dass Sie die bereits vorgegebene Entscheidung teilen und bestätigen. Wer sich nicht anpasst, wird durch das Bombardement mit obszönen, absichtlich vieldeutigen Befehlen und Botschaften psychisch vernichtet. Übrig bleibt beliebig formbares „Humankapital“, das seine eigene Persönlichkeit so anzupassen hat, wie die momentanen Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes es verlangen. Das Kapital hat mit genau dem Projekt Erfolg, bei dem die Eliten von Stalinismus und Faschismus versagten: Der Mensch wird zum reinen Menschenmaterial, aus dessen Blut und Knochen, aus dessen innerster biologischer und sozialer Substanz einige wenige Entscheidungsträger, Medien, Informationstechnokraten und Pharmafirmen bauen, was sie gerade lustig sind. Schon bald werden Konzerne mit der DNA sogar die Sprache, in der Ihr Körper geschrieben ist, privatisiert und urheberrechtlich geschützt haben: die rechtlichen Weichen dafür werden bereits gestellt. Diese Firmen besitzen dann das geistige Eigentum auf Ihren Körper.

Nicht einmal ein Blinder kann übersehen, dass das alles keine Zukunft hat, sondern zum Untergang in Flammen und Feuer verdammt ist. Es gibt keine Lösung und keine Alternative, also fangen Sie gar nicht erst mit der Suche an. Auch die bequeme Alternative der Religion können Sie sich abschminken: Am Ende dieser Apokalypse steht keine Entrückung der Gerechten in das Himmelreich, und Sie sind ohnehin keiner von ihnen. Am Ende steht einfach nur unvermeidbare Vergessenheit und ewige Finsternis. Das einzige, was Sie noch tun können, ist, sich zurückzulehnen und das ganze schöne Spektakel an sich vorbeiziehen zu lassen, es mit einem Gläschen Wein in der einen und einem Joint in der anderen Hand zu genießen. Sie brauchen dabei auf Ihre geistige und körperliche Gesundheit keine Rücksicht zu nehmen, denn Ihr Geist und Körper gehören Ihnen schon lange nicht mehr. Denn Diskordier sind Puppen und perverse Zwerge.

Haben Sie einen schönen jüngsten Tag.
Sankt Angrémonn der Hastige, KSC


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