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Kryptoanarchie

Kryptoanarchismus ist ein ideologisches Konzept, nach dem die Nutzung kryptographischer Maßnahmen wie Anonymisierungssoftware oder starker asymmetrischer Verschlüsselungsverfahren (public key cryptography) zu einer besser geschützten Privatsphäre und somit zu größerer individueller Freiheit und schließlich auch gesellschaftlicher Freiheit führen wird. Mit ihnen soll es möglich sein, im Internet Parallelstrukturen (sog. Cryptospace) zu schaffen, die jenseits der Einflusssphäre von Staaten liegen, in denen Informationen ohne äußere Zensur oder rechtliche Einschränkung (z.B. durch die Content-Mafia) ausgetauscht werden können, in einem vollständig unregulierbaren freien Markt Handel mit elektronischen Geld getrieben werden kann und dabei die körperliche Identität aller Beteiligten verborgen bleibt.

Kryptoanarchie erscheint hierbei meist weniger als ideologische Zielsetzung, sondern mehr als logische Konsequenz von technologischer Entwicklung, die es zu nutzen gelte und an die man sich anzupassen habe. Insofern werden auch negative Folgen der Kryptoanarchie, wie eine vom staatlichen Zugriff befreite organisierte Kriminalität, als nicht abwendbare Konsequenzen dieses Prozesses betrachtet.

Begriffsherkunft

1988 verteilte Timothy C. May seinen Text The Crypto Anarchist Manifesto auf einer Kryptographie-Konferenz in Santa Barbara an Gleichgesinnte, sowie auf einer Hacker-Konferenz im selben Jahr. 1992 verlas er den Text beim Gründungstreffen der Cypherpunk-Bewegung. Die Vorsilbe Krypto im Begriff bezieht sich auf Kryptographie und nicht, wie etwa im Begriff Kryptofaschismus, auf das Verschleiern einer Ideologie. Timothy May wies aber in seinem Essay The Cyphernomicon darauf hin, dass der Krypto-Anarchismus auch als Wortspiel mit dieser Verwendung des Begriffes gedacht war.

Ideologische Hintergründe

Viele Kryptoanarchisten stehen politisch dem Libertarismus oder auch seinen radikaleren Spielarten, wie dem Anarcho-Kapitalismus oder Agorismus, nahe. Tymothy May schreibt in The Cyphernomicon: „Was daraus [dem Krypto-Anarchismus] entstehen wird ist ungewiss, aber ich denke es wird eine Art anarcho-kapitalistisches Marktsystem werden, das ich Krypto-Anarchie nenne.“

Krypto-Anarchisten befürworten freie, ggf. auch schwarze Märkte (Counter-economics) sowie das Recht auf absolute Anonymität im Cyberspace und setzen dabei auf das Konzept der glaubhaften Abstreitbarkeit. Sie räumen ein, dass dies einen fruchtbaren Boden für kriminelle Elemente bietet, argumentieren aber, dass Kryptographie mit dem Briefgeheimnis gleichzusetzen sei, das nur von totalitären Regimen nicht gewährt würde.

Quellen

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