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SNAFU-Prinzip

Das SNAFU-Prinzip ist einfach formuliert und in seiner Einfachheit absolut evident. Das SNAFU-Prinzip besagt einfach:

Kommunikation ist nur unter Gleichen möglich.

Das hat fatale Folgen für jede hierarchisch strukturierte Organisation oder Gesellschaft. Es ist einfacher Überlebensinstinkt, der dich dazu veranlasst, deinen Chefs nur die Informationen zu geben, die für dich selbst und dein Umfeld harmlos sind. Das führt dazu, dass die höheren Kommunikationsebenen irgendwann überhaupt keine Information mehr darüber bekommen, was unten wirklich vorgeht. Es ist möglich, dass bei diesem Vorgang auch der Denker und der Beweisführer eine Rolle spielen.

Das führt dazu, dass jede Ordnung auf einem Fundament aus Chaos ruht, das jederzeit „einstürzen“ kann.

Oder anders gesagt:

Auferlegung von Ordnung -> Eskalation des Chaos

Ähnliche Gedankengänge gab es jedoch auch früher, so fordert z.B. Johann Wolfgang von Goethe in seinem Theaterstück Iphigenie auf Tauris ebenfalls hierarchielose Kommunikation.

Beschreibungen des SNAFU-Prinzips

In der Romantrilogie Illuminatus! von Robert Shea und Robert Anton Wilson spielt das sogenannte SNAFU-Prinzip eine zentrale Rolle, welches besagt, dass innerhalb von Hierarchien Vorgesetzte und Untergebene einander wichtige Informationen gezielt vorenthalten, wodurch dann früher oder später ein totales Chaos entsteht (Situation Normal, All Fucked Up). Die Absicht der Vorgesetzten ist es dabei, einen Informationsvorsprung vor ihren Untergebenen zu behalten, während die Untergebenen, um Schwierigkeiten zu vermeiden, ihre eigenen Fehler und teilweise auch ihre Inkompetenz verschleiern wollen. Die unreflektierte Anwendung des SNAFU-Prinzip ist also die Ursache des Zustandes SNAFU und somit Folge von Inkompetenz in der Sache und im Umgang mit der Inkompetenz.

In dem Buch Der Phrasenprüfer über Wau Holland wird der Informationsverlust bis hin zur Lüge „Gelogen ist nur, wenn’s der andere glaubt.“ als Folge hierarchischer Strukturen als Beispiel für erlebtes SNAFU berichtet. Die Grundlage dafür bildeten Gespräche im Jahr 1999 auf einer Sicherheitstagung von Andreas Pfitzmann.1) Die Hierarchie, auf die Bezug genommen wurde, war die zwischen dem Management der Firmen und den für die IT-Sicherheit zuständigen Mitarbeitern der IT-Abteilungen, die in einem außerordentlichen Kontext (Tagung) zusammenkamen, was zur teilweisen Aufdeckung des SNAFU-Prinzips geführt hatte.

Illustration des SNAFU-Prinzips

Am Anfang war der Plan

Und dann kamen die Annahmen Und die Annahmen waren ohne Form Und der Plan war ohne Substanz

Und Dunkelheit war auf den Gesichtern der Arbeiter Und sie sprachen unter sich und sagten: “Das ist alles Scheiße und es stinkt!”

Und sie gingen zu Ihren Aufsehern und sagten: “Das ist ein Haufen Mist und wir können mit dem Gestank nicht leben”

Und die Aufseher gingen zu ihren Leitern und sagten: “Es ist eine Ladung von Exkrementen, und es riecht sehr stark, so daß niemand es ertragen kann.”

Und die Leiter gingen zu ihren Direktoren und sagten: “Es ist wie eine Ladung von Düngemitteln und keiner kann seine Strenge ertragen”

Und die Direktoren sprachen unter sich und sagten: “Es enthält wohl das, was Blumenwachstum anregt und es ist sehr mächtig”

Und die Direktoren gingen zum Präsidenten und sagten “Dieser neue Plan wird aktiv das Wachstum und die Kraft unserer Firma fördern mit sehr wirkungsvollen Effekten”

Und der Präsident sah auf den Plan und sah, daß er gut war.

Und der Plan wurde die Vorgabe. Und schon war die Kacke am dampfen.

1)
Daniel Kulla: Der Phrasenprüfer: Szenen aus dem Leben von Wau Holland, Mitbegründer des Chaos Computer Clubs. Jungle World Nr. 9, 18. Februar 2004 ([http://jungle-world.com/artikel/2004/08/12388.html Online]).
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