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Spaßguerilla

Spaßguerilla nannten erstmals in den späten 1960er / frühen 1970er Jahren die anarchistischen und spontilinken Gruppen, vor allem in Berlin, ihre politischen Aktionsformen, die vor allem durch Phantasie, Lustbetonung und den Spaß für (fast) alle Beteiligten auffiel. Sicher war sie auch ein bewußter Gegenpol zu antimiperialistischen Stadtguerilla-Konzepten, die eher der deutschen Ernsthaftigkeit entsprachen. Das Ziel ist, die unlustige herrschende Ordnung subversiv aufzubrechen, durcheinanderzubringen oder zu stören. Ähnlich wie die in den 80er und 90er sich anschließende Kommunikationsguerilla gelten die Prinzipien der Verfremdung und Überidentifizierung.

Geschichte

Die Spaßguerilla geht zurück auf provokative und phantasievolle politische Happenings, insbesondere der West-Berliner Kommune 1 und ihrer Protagonisten Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann oder Rainer Langhans, die im Rahmen der Studentenrevolten der 68er-Bewegung (vgl. auch Außerparlamentarische Opposition und Studentenbewegung) versuchten, mit neuen, alternativen Formen des Zusammenlebens und gemeinsamen politischen Handelns zu experimentieren. Ein späterer Vertreter war unter anderem das Berliner Büro für ungewöhnliche Maßnahmen.

Aus der Sponti-Linken entstanden, agierte die Spaßguerilla in ihrer Militanz lustbetont, lebensbejahend und antiautoritär. Damit hoben sie sich – durchaus gezielt – von den restriktiven Umgangsformen der K-Gruppen und Antiimperialisten und dem, aus Uruguay von den Tupamaros importierten, Stadtguerilla-Konzept der RAF ab und vertraten im Grunde eher anarchistische Ideale.

Aus der Sponti-Szene und Spaßguerilla ging die heute noch aktive Szene der Autonomen bzw. der Autonomen Gruppen hervor, die sich in den Neuen Sozialen Bewegungen, wie beispielsweise in der Antifa, der Hausbesetzerbewegung, der Friedensbewegung oder bei den Atomkraftgegnern einbringen.

Eine späte Folge der Spaßguerilla dürfte die Aufnahme des Shanghaier Kugelfischabkommens in die hessischen Koalitionsvereinbarungen von 1985 gewesen sein.

Im 21. Jahrhundert wurde der Begriff für die Online-Kultur und Netzaktivisten angewendet, insbesondere auf Anonymous und deren Abspaltung LulzSec.1)

Schreibweise

Die spanische und englische Schreibweise ist „guerrilla“ mit zwei „r“; hingegen schreibt man auf Dänisch, Deutsch, Französisch, Norwegisch und Schwedisch „Guerilla“ mit einem „r“.

Fritz Teufel veröffentlichte im April 1980 ein Buch mit dem in lautgetreuer Schreibweise geschriebenen Titel Märchen aus der Spaßgerilja mit „lj“ und ohne „u“.

Siehe auch

Literatur

  • Fritz Teufel, Robert Jarowoy: Märchen aus der Spaßgerilja. Libertäre Assoziation, Hamburg / Verlag Roter Funke, Bremen 1980 (ohne ISBN).
  • AG Spass muß sein! (Hrsg.) : Spassguerrilla. fantastische möglichkeiten – mögliche fantasien. Unrast Verlag, Münster, ISBN 3-89771-951-7. Reprint der Originalausgabe, erweitert um aktuelle Beispiele. http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,67,6.html
  • Schwarze, Achim: Spass-Guerilla – Die fröhliche Subversion aus dem Hausbriefkasten. Eichborn-Verlag, Frankfurt/Main 1986, ISBN 3-8218-1062-9.
  • Autonome A.f.r.i.k.a. Gruppe, Luther Blisset, Sonja Brünzels, Handbuch der Kommunikationsguerilla, Verlag Libertäre Assoziation, Verlag der Buchläden Schwarze Risse und Rote Strasse, Hamburg 1997. ISBN 3-922611-64-8.

Quellen

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