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Diskordischer Kommunismus und Anarchismus

Diskordischer Kommunismus wäre vermutlich Anarchismus gar nicht so unähnlich. Zentralistische Elemente des Kommunismus würden von der Hierarchienallergiereaktion des Diskordianismus quasi neutralisiert werden (Was kann ein Beamtenapparat schon gegen siebeneinhalb Milliarden Päpste unternehmen?), auch nationalistische Elemente würden vermutlich nicht lange überleben, und ich sollte das hier vermutlich nicht in der U-Bahn schreiben, wo's jeder lesen kann (Hallo!). Sei's drum.

Es gibt viele verschiedene Ansichten über die Kompatibilität dieser Ideen, viele Diskordianer im englischsprachigen Raum sind der Meinung, dass Anarchie und Diskordianismus nicht zusammenpassen, da Anarchisten ja immer wieder betonten, dass Anarchie Ordnung sei und Diskordianismus nun mal Ordnung eher beseitigen will als fördern. Dem lässt sich entgegensetzen, dass dort zuallererst verschiedene Ideen zugrundeliegen davon, was Ordnung überhaupt ist. Spielt man ein wenig mit den Wahrnehmungsfiltern herum, so stellt sich heraus, dass der anarchistische Kampfbegriff von „Ordnung“ eher auf Selbstorganisation und organische, flexible Strukturen abzielt, wohingegen die auch von Diskordianern qua Katma verachtete, künstlich auferlegte und starr durchstrukturierte, hierarchische Unterteilung der Welt in möglichst sauber abgegrenzte Schubladen eher vermieden wird. Hier ist also durchaus Potenzial für eine Verbindung vorhanden. Hinzu kommt, dass Diskordianismus eigentlich eine viel weitere Perspektive verleihen sollte, die über die künstlichen und willkürlichen Begriffe von Ordnung und Unordnung hinausgeht. Diskordianer waren schon immer fähig, mit der Ordnung ebenso spielerisch, künstlerisch und sinnvoll umzugehen wie mit der Unordnung - auch und besonders, um den Verfechtern der Ordnung damit noch eins auszuwischen. Die beinahe dogmatische Fixierung einiger Diskordianer auf Ordnung und Unordnung, wenn sie stattdessen noch viele andere Spielarten des zugrundeliegenden Chaos haben könnten, ist geradezu undiskordianisch.

Ein weiterer Reibungspunkt sind vermutlich die Reibungspunkte: Diskordianer betonen oft, die Göttin des Streits und der Zwietracht zu verehren. Betrachtet man aber diskordische Gemeinschaften realistisch, so sind Streit und Kooperation dort in ähnlichen Verhältnissen wie andernorts vertreten, manchmal ist man sich dessen einfach nur bewusster. Wie der Grand Lord Mockerfather schon betonte: „Der Spruch 'Wir Diskordianer müssen auseinanderhalten' ist keine Anweisung, sondern mehr so eine Beobachtung.“ Und manchmal ist auch das ziemlich effektiv, weil es immer wieder neue Splittergruppen schafft, Reserven, Redundanzen. Gerade deshalb könnte diskordisches Gedankengut auch für kommunistisches und anarchistisches Zusammenleben hilfreich sein - das Auseinanderbrechen vorhandener Strukturen wäre weniger tragisch, man wäre mehr Flexibilität gewohnt und könnte lernen, Hemmnisse mit zenarchistischer Gelassenheit hinzunehmen. Gut, das müssen Diskordianer dann auch ein wenig trainieren, aber trotzdem.

Prinzipiell sollte Diskordianismus jedenfall ganz gut mit Kommunismus und Anarchismus zusammen funktionieren, auch wenn Greg Hill kein Anarchist mehr sein wollte - zu viele Regeln, den Staat hassen und so. Aber die Idee, Produktionsmittel in Allgemeinbesitz zu überführen, scheint mit der Idee, Informationen in Allgemeinbesitz zu überführen - in der Form von Ⓚopyleft - erst mal in eine ähnliche Bresche zu schlagen. Information ist mehr und mehr das Produktionsmittel der Zukunft (die Grundlage, um andere Produktionsmittel überhaupt herstellen zu können - quasi das Produktionsmittel-Produktionsmittel), und auch wenn Informationen nicht frei sein wollen, so wollen Menschen es letztendlich doch sein, und freie Produktionsmittel und Informationen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin.

Natürlich passt der Totalitätsanspruch des Kommunismus nicht so ganz perfekt zur eher relativierenden Ansicht des Diskordianismus, aber ersterer müsste damit dann über Bord gehen. Ähnlich wie das zielgerichtete kommunistische Geschichtsbild, das sich mit dem Non-Prophet-Anspruch des Diskordianismus eher nicht vereinbaren lässt. Also weg mit dem Schicksal.

[To be continued]

du könntest also vielleicht den text mal erweitern und erklären, warum mit dem Streit der Eris NICHT kapitalistischer wettbewerb gemeint ist, mit dem chaos NICHT schöpferische Zerstörung, also den diskordianismus mal vom neoliberalismus abgrenzen, der auch immer wieder was von dezentral und „sich neu erfnden“ erzähltfehlgeleitet

  • Kapitalismus setzt auf Konkurrenz und Gewinnstreben, diskordischer Streit ist aber nicht von Konkurrenzdenken geprägt und zielt eher auf spielerischen Erkenntnisgewinn ab
  • Dysnomianismus
  • Sri-Syadasti-Transformation
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