Bürokratieabbau

Der Bürokratieabbau ist die wichtigste Industrie des primären Sektors in Deutschland. Dabei wird die Rohbürokratie in Bergwerken oder per Tagebau abgebaut und für den Transport und die Weiterverarbeitung vorbereitet. Pikanterweise kollidiert der Bürokratieabbau schon mit seiner zuvor geschilderten Förderung, die dem Grunde nach sein erstes Opfer wäre. Dies ist zunächst nur für Normalkamele ein Wiederspruch, die Bürokraten sehen darin kein Hemmnis.

Die Grundvoraussetzung für den Abbau dieses urdeutschen Rohstoffs ist zunächst ein langwieriges Antrags- und Genehmigungsverfahren mit Bürgerbeteiligung, Ausschussbildung und Expertenanhörung, gegebenenfalls noch einige Jahrzehnte verwaltungsgerichtlicher Auseinandersetzung. Sind diese kleinen Hürden allerdings einmal überwunden, kann die Ausbeutung der Vorkommen hemmungslos beginnen.

Wichtige Lagerstätten

Rohbürokratie kam ursprünglich nicht überall vor. Erst mit der Verbreitung der Siebenschläfer konnten mehr und mehr Vorkommen entdeckt und erschlossen werden. Heutzutage sind in vielen Industriestaaten die Reserven allerdings erschöpft, so dass dort großer Gesetzesmangel herrscht, der durch Bürokratieimporte im großen Stil kompensiert werden muß. Aus Mangel an Rohbürokratie haben sich an einigen Orten der Welt schon Staaten zusammengeschlossen, um die restlichen Vorkommen gemeinsam nutzen zu können. Hier ist vor allem die EU zu nennen, die mittlerweile Wege gefunden hat, durch konsequente Bürokratie-Subvention diese Schlüsselindustrie in Europa global besser aufzustellen.

Abbaumethoden

Die Abbaumethoden selbst sind so vielseitig wie die Formulare die dafür erforderlich sind.

  1. Bestechung, ähnlich wie beim Torf gilt eher als klassische Methode.
  2. Direktverkauf zum Selbsternten (Selbstabbau oder auch Werksverkauf), wird derzeit nur an den Ostgrenzen angeboten, weil die ausländische Kundschaft das ganze als Sonderangebot auffasst und anders als die hiesigen Kamele nicht als Schlafmittel einsetzt, sondern sich noch verwertbares aus der Rohbürokratie erhofft.
  3. Gewerblicher Bürokratieabbau könnte das Mittel der Wahl werden. An dieser Stelle spekuliert der Innenminister nach der Umstellung des öffentlichen Dienstes von BAT auf Hartz IV auf den unbändigen Willen seiner Leute, auch noch ein Zubrot ergattern zu wollen. Er unterstellt gerade diesen Leuten eine gewisse Virtuosität im Umgang mit dem wertvollen Rohstoff.
  4. Die letztlich wirklich zum Einsatz kommende Abbaumethode wird vermutlich „Aus Versehen“ sein. Durch die zuvor geschilderte Umtarifierung der Angestellten des öffentlichen Dienstes könnten diese samt und sonders größeren Amnesien anheimfallen. Dadurch würde dann ein Großteil der Rohbürokratie quasi vollautomatisch abgebaut, weil sich niemand mehr an die Vordrucke erinnern kann. Daraus kann man lernen, dass unser Schräuble doch ein verwegenes Kerlchen ist, der nicht nur weiß wie man Doppel-Moor-Aal schreibt, sondern sie auch perfekt beherrscht.
  5. Einige wenige Sondervorkommen, bei denen dieser Rohstoff nur so aus dem Paragraphendschungel quillt, können mühelos beim Büroschlaf zerschnarcht und sehr UN-weltverträglich zu ansehnlichen Papierbergen weiterverarbeitet werden.

Weiterverarbeitung / Veredelung

Ist die Rohbürokratie erst mal gehoben und auf den Weg gebracht, kann sich dieses Gut nahezu selbst unendlich vermehren. Bei der Verarbeitung und Anwendung ist stark darauf zu achten, die Bürokratieendprodukte immer gut und gleichmäßig auf die Endkundschaft zu verteilen. Geballte, bzw. Schwerpunktbürokratie, die auf einzelne Nutzer- oder Nutzergruppen abzielten, führten oftmals zu heftigen allergischen Abwehrreaktionen. In Ausnahmefällen sogar zu Revolutionen. Als edle Kür unter den Verarbeitungsbetrieben und deren Vertriebsmitarbeiter gilt jedoch, diese Produkte auch jenen anzudrehen, die sie nie und nimmer brauchen, sie nicht haben wollen und deren Lebensumfeld dafür gar nicht geeignet ist. So kommt es dann oftmals zu so skurrilen Bildern, dass auf dem Sarg noch ein 2 Meter hoher Aktenberg zu erblicken ist. Die höchste Kunst ist es allerdings, aus einem 5,00 € Verwarnungsgeld einen 15 Aktenordner umfassenden Vorgang zu machen. Dafür gibt es vom Bund der Steuerzähler regelmäßig als höchste Auszeichnung die „Goldene Kelle“ mit der bürokratischen Laudatio „Nie war ich tiefer…“!

Perspektiven dieser Zunft

In Ermangelung anderer Rohstoffe, der hervorragenden Selbstvermehrungseigenschaft der Bürokratie, und der Universalität des Stoffes sieht der Bürokratiekartell „OBEC“ hervorragende Perspektiven. Insbesondere vor dem Hintergrund der Unabhängigkeit von Wirtschaft und Einkommen könne man hier völlig krisenfest agieren.

Einzig das Vorhaben „Bürokratie für die Welt“ habe noch nicht die erhofften Ergebnisse geliefert. So seien im letzten Jahr trotz der hervorragend aufgetürmten Aktenberge aus den Anträgen auf Lebensmittelunterstützung in den betroffenen Gebieten 99% der Antragsteller verhungert, obgleich die Aktenlage hervorragend war. Um keine Negativ-PR zu bekommen, will man die Antragstellung auf Lebensmittelunterstützung zunächst für ein Jahr aussetzen, weil dann die Verhungerten nicht als Opfer der Bürokratie gelten können. Man geht davon aus, mit der Erweiterung der Antragsformularsätze um gut 30 Seiten das Problem in den Griff zu bekommen. Auch die Welthungerhilfe zeigte ernsthaftes Interesse an den schönen Bürokratieprodukten, die auch vergleichsweise günstiger als Lebensmittel zu erstehen sind.

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